Wie bei jeder Neueinführung gibts am Anfang einen Superhype......
Nun, das wird auf keinen Fall bei .gay so sein, denn das kann man steuern! Leider wurde bei den bisherigen Einführungen nahezu nichts wirklich gesteuert, nicht "gemanaget", es wurden Rescourcen mit teilweise tausende Dollarn an Wert für einen Appel und ein Ei verschleudert, das zieht logischerweise Spekulanten an! Ein Guter Steuermechanismus ist der Preis. So kann man (neben Auktionen) z.B. in den ersten 6 Monaten verlangen, dass für 5 Jahre im Voraus gereggt werden muss. Ernsthafte Interessenten mit der Absicht eine Domain wirklich zu routen und bestimmungsgemäss zu nutzen werden damit weniger Probleme haben als Spekulanten. Es gibt da viele kleine Stellschrauben.....
... .eu die im Grunde ein ökonomisches Projekt der EU ist - als quasi cc TLD -
.eu IST eine ccTLD. Sie ist eine ccTLD weil "eu" in der ISO 3166 steht. Bzw "eu" wurde extra in die ISO 3166 aufgenommen, um der EU eine TLD zuzuschachern. Die ISO 3166 ist KEINE Länderliste, sondern eine Liste von "Territories". Jedes Land das da drin steht, kann das ISO 3166 Alpha II Kürzel als TLD aktivieren, und fast alle haben das auch getan. West Sahara ist eines der wenigen, die da noch herumlaborieren.
....aber daraus würde ich nun nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass sich lokale TLD -außer in den Metropolen (wie z.B. Berlin oder Paris) und evtl. Regionen - durchsetzen werden.
Da stimme ich zu, GEO-TLD's machen insbesondere bei Metropolen Sinn. Aber es gibt auch durchaus bevölkerungsmässig kleine Städte, bei denen eine TLD ökonomisch und politisch Sinn machen könnte, z.B. bei dem Städtchen "Aspen" in Colorado! Nur 6.000 Einwohner, aber weltweit bekannt als Nobel-Skiort! Wenn sich das Aspen Tourism Board zusammensetzen würde, und eine ".aspen" finanzieren und die Domains dann kostenlos an die örtlichen, registrierten Tourismusunternehmen abgeben würde, das würde sehr viel Sinn machen! Aber Aspen ist eben eine Weltmarke für Skiläufer, und nicht jedes Kleinhintertupfingen ist ähnlich bekannt.
Ich bin sowieso sehr skeptisch ob sich hier die neuen TLDS mit Keyword durchsetzen können - Endungen wie .jobs, .pro, .museum, .name - haben objektiv keine Sichtbarkeit und Wirkung entfaltet.
Ich stimme Dir zu, dass fast alle neuen TLD's bisher nahezu KEINEN "Impact" im Internet hatten, keinen "Eindruck" hinterlassen haben. Daraus zu schliessen, sie wären "schlecht" oder es wäre "falsch" gewesen sie einzuführen liegt nahe, klar. Aber bei genauerer Analyse der Hintergründe wird klar: Es ist bei ".info" und Konsorten eben extrem viel falsch gelaufen. Da gibt es nicht "den einen" Grund für das Versagen:
- Flächendeckender Landgrab der Domaininvestoren (ja, auch ich war dabei, und trage mein Stückchen Schuld dran)
- Nahezu nicht existierende Mechanismen wenigstens kleine Teile des neuen Internet Lands als Meilensteine (Leuchttürme) herauszuputzen um den Medien "Futter" zur Berichterstattung zu geben, z.B. "eurovision.eu" beim 2006 Eurovison zu verwenden, und damit die .eu 6 Monate vor Reg-Beginn auf EINEN SCHLAG fast allen Europäern bekannt zu machen.
- Nahezu nicht existierende Media Relations mit der Folge, dass die Medien auch dementsprechend nahezu nicht berichteten. Merke: Eine TLD Einführung an sich ist noch keine Mediengeschichte, man muss diese Geschichte erst kreieren!
- VIEL zu niedriger Einführungspreis mit der Folge von massivem Landgrab bis hin zu gar nicht mehr Sinn machenden Keywords! Dadurch blieb für potentielle Registranten die .info Domains wirklich nutzen wollten eben nix übrig, und wer einen Kunstbegriff reggen will, kann das ja unter .com tun, wozu da .info nehmen?
Es gibt noch andere Gründe warum z.b. selbst bei 4 Millionen gereggten Domains .info nahezu unsichtbar im Internet ist, und nahezu NULL "Awareness" erzeugen konnte in den USA.
Leider, leider wird wohl ein Grossteil der neuen gTLD Operators diesem alten sogenannten ".com" Betriebsmodell folgen, und sich das neugeschaffene Land vom Start her "versaubeuteln". Ich arbeite aktuell daran eine "White-Lable" Lösung zu erschaffen, welche neue TLD's als "Plug-In" adaptieren können, und damit zumindestens den (kleinen) Namensraum der Community Relevant Domains so nutzbar zu machen, dass langfristig Einnahmen kreiert werden, die potentiellen Registranten einen zusätzlichen Mehrwert bei der Registrierung erhalten, und die Enduser (die Internet User) ebenfalls einen Mehrwert bekommen. Erste New gTLD Registries zeigen reges Interesse. Kernpunkt des Systems ist es, ca. 2.000 bis 10.000 Community relevante Domains durch die Regsitry selbst zum Nutzen der Registranten aller anderen Domains der TLD und zum Nutzen der Internet User zu betreiben, und diese dabei gleichzeitig als Basis für kostengünstige Third-Level-Registrations zu nutzen! Gleichzeitig können Social Network Funktionen aktiviert werden.
Also ich habe mit einer Reihe von ICANN Board Membern gesprochen, keiner sieht das als echtes Problem an.
Gruss,
AlexS